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Schlagwort: Musiktherapie

Musiktherapie Aarau auf der 13. Europäischen Musiktherapiekonferenz in Hamburg

Was bedeutet Ihnen das Wort „Brücken»?  

Wann und wo waren Sie schon froh, dass es eine Brücke gab?

Vom 23. bis 27. Juli 2025 fand in Hamburg die 13. Europäische Musiktherapiekonferenz (EMTC 2025) statt. Die ist ein bedeutender Treffpunkt für die internationale Musiktherapie-Community. Auch Musiktherapie Aarau war dabei und durfte gemeinsam mit rund 600 Teilnehmenden aus ganz Europa sowie etwa 35 Kolleg:innen aus Übersee (u. a. aus den USA, Australien, Lateinamerika, Indien, Japan und Südafrika) spannende Tage voller Austausch und Inspiration erleben.

Das diesjährige Konferenzmotto lautete „Bridges“ – Brücken also. Ein starkes Bild, das sich wie ein roter Faden durch Vorträge, Workshops und Diskussionen zog. Ziel war es, Kontraste in den Dialog zu bringen, Interessen zu verbinden und angrenzende Disziplinen in Austausch zu bringen. Forschende, Praktiker:innen und Studierende kamen zusammen, um voneinander zu lernen, gemeinsam zu diskutieren und neue Perspektiven zu gewinnen.

In den Keynotes warfen wir einen Blick auf die aktuelle musiktherapeutische Forschungslandschaft in Europa. In praxisnahen Workshops und kleinen Round-Table-Formaten konnten wir uns direkt mit Kolleg:innen aus dem In- und Ausland austauschen und auf einem eigens von der Konferenz gecharterten Tanzschiff in den Hafen Hamburgs einen krönenden Konferenzabschluss unter freiem Himmel feiern.

Rahel hat die Konferenz nostalgisch erlebt, mit vielen bekannte Gesichter aus ihrer Studien-, Arbeits-  und langjährigen Berufspolitikzeit.

Für Diandra war es ein besonders bedeutungsvoller Moment, da sie im Rahmen eines Vortrags Einblicke in ihren laufenden PhD-Prozess geben durfte.

Mit einem Rucksack voller neuer Impulse, Ideen und Verbindungen sind wir nach Aarau zurückgekehrt. Und wir sind uns einig:

Musiktherapie verbindet und wird auch weiterhin Brücken bauen helfen, wo eis sie brauchen kann und gewünscht ist!

Ein Blick durchs Schlüsselloch – Therapy Slam No. 5 an den Lindauer Psychotherapiewochen

Musiktherapie Aarau ist immer mal wieder auf verschiedenen Bühnen unterwegs.
Ein solch besonderer Moment, auf den Diandra Russo gerne zurückblickt, war ihr Beitrag beim Therapy Slam No. 5 auf der grossen Stadtbühne in Lindau – vor rund 500 Zuschauer:innen. Dort gewährte sie einen kleinen, aber intensiven Einblick in ihre musiktherapeutische Arbeit.
(Lustiger Fact: Die halbe Praxis wurde für eine Woche nach Lindau transportiert)

Der diesjährige Slam war in mehrfacher Hinsicht besonders: Zum fünften Mal, aber erstmals als ein direktes Aufeinandertreffen zweier therapeutischer Verfahren – der analytisch-mentalisierungsbasierten und der musiktherapeutischen– fand die Veranstaltung im Rahmen der Lindauer Psychotherapiewochen statt.

Unter der Moderation von PD Dr. med. Joram Ronel, der das Konzept des Therapy Slams vor zehn Jahren entwickelt hat, wurde das Thema „Der Körper als Instrument – über die Behandlung somatoformer Störungen“ interaktiv und praxisnah beleuchtet.
Am Slam beteiligt waren Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser, Diandra Russo in ihrer Rolle als Musiktherapeutin, sowie Judith Gorgass als Schauspielpatientin, die mit starker Präsenz das therapeutische Rollenspiel bereicherte.

Das Format des Therapy Slams ermöglicht es, psychotherapeutische Methoden auf lebendige und zugängliche Weise zu vermitteln und eröffnet Zuschauer:innen einen unmittelbaren Einblick in das therapeutische Geschehen. Es fördert den Austausch zwischen therapeutischen Schulen und lädt zu einem integrativen Dialog ein.

Die Woche in Lindau war geprägt von inspirierenden Diskussionen, methodischer Vielfalt und einem offenen Raum für fachlichen wie persönlichen Austausch. Unterschiedliche therapeutische Haltungen wurden nicht gegeneinandergestellt, sondern in ein konstruktiv beleuchtet.

Die Resonanz auf den Abend war positiv, differenziert und vielschichtig – und der Diskurs geht weiter.

Ein herzliches Dankeschön gilt dem gesamten Team auf und hinter der Bühne, das diesen besonderen Moment möglich gemacht hat. Man darf gespannt sein auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr bei den Lindauer Psychotherapiewochen.

Musik als Unterstützungsmöglichkeit bei Tumorerkrankungen

Wir freuen uns, am 24. Mai einen ersten Workshop in Zusammenarbeit mit dem KSA bzw. dem Onkologiezentrum Mittelland durchführen zu dürfen. 

Der Workshop richtet sich an von Krebs betroffene Menschen, unabhängig davon, wo sie im Behandlungsprozess stehen.

Die Teilnehmenden werden konkreten erleben und darüber austauschen, wie sie Musik dazu nutzen können, um sich selbstfürsorglich zu unterstützen.

Für Interessierte geht es hier zur Anmeldung.

Screenshot

Weshalb Musikimprovisation flexibler macht

Der Mensch lernt schon früh im Leben, spontan auf äussere und innere Anforderungen zu reagieren – zu improvisieren eben. Wer improvisieren kann, ist in der Lage, mit den Mitteln, die gerade zur Verfügung stehen, spontan eine Lösung auf ein sich stellendes Problem zu finden. 

In der Musiktherapie und im integrativen Coaching mit künstlerischen Perspektiven werden unter anderem mit Hilfe von musikalischer Improvisation schwierige Beziehungssituationen nachgespielt und spielerisch so lange gestaltet und improvisierend umgestaltet, bis die ratsuchende Person in der Lage ist, flexibel mit der Herausforderung umzugehen.

Neben dem Lösen der Problemstellung wird dabei ganz nebenbei Spontanität, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und nebenbei auch selbstischeres Auftreten trainiert. Zu guter letzt gelingt öfters ein erfrischender Perspektivenwechsel.

Was macht die Musik in der Musiktherapie eigentlich?

Musik ist in der Therapie ein Beziehungs- und Kommunikationsmittel. Sie ergänzt oder ersetzt die verbale Sprache. Sie kann prä-, post- nonverbal, gleichzeitig und improvisierend eingesetzt werden (Oplatka, 2024).

Die Musik ist in der Musiktherapie somit ein zentrales Mittel, um mit unseren Klient:innen an persönlichen Themen zu arbeiten. Sie kann beispielsweise als Transportmittel das Erleben von innen nach aussen bringen, kann Halt geben, verborgene oder brach liegende Ressourcen aktivieren und die Sinne stimulieren. Zudem kann sie den Therapieprozess beschleunigen oder lenken und ein Bindeglied sein, das beziehungsstiftend und beziehungsgestaltend wirkt.

Weitere Fragen zur Musik in der Musiktherapie werden hier beantwortet.

Musiktherapie zur Behandlung von Demenz empfohlen

Nachdem die Schweizerische Gesellschaft für Alterspsychiatrie und  Alterspsychotherapie schon seit Jahren den Einsatz von Musiktherapie bei Behavioralen und Psychischen Symptomen bei Demenz (BPSD) empfiehlt, existieren nun endlich Empfehlungen, die dementielle Erkrankungen generell betreffen.

Im August sind die lange erwarteten Therapieempfehlungen der Swiss Memory Clinics erschienen. Über zwei Jahre durfte Rahel Roth an dem spannenden Projekt mitarbeiten und den Text zur Musiktherapie als Hauptautorin verfassen.

Die Kurzfassung ist Interessierten über das BAG online als PDF zugänglich.

Musiktherapie Aarau schreibt

Wir beiden klinischen Musiktherapeutinnen von Musiktherapie Aarau haben zusammen mit über 70 Expert:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 101 Standardwerke der Musiktherapie in kurzen Rezensionen zusammengefasst und kommentiert.
Das neue Standardwerk wurde über mehrere Jahre geplant und ist nun endlich erschienen.
Es darf gerne einmal in unseren Belegexemplaren geschmökert werden und das Buch ist nun auch im Buchhandel käuflich zu erwerben.

Für junge Musiktherapeut:innen gehört das Buch in die Sammlung.

Wozu denn Musiktherapie bei Spiel- oder Gamingsucht?!?

Beim Gamen in der virtuellen Welt bekommen laut dem Verhaltenssuchtspezialisten Renanto Poespodihardjo die Spielenden nicht mit, was im Bereich der nonverbalen Kommunikation liegt. Diese wird demnach nicht trainiert und hat vor allem für früh gestartete Gamer:Innen Folgen. Bei den daraus resultierenden sozialen Interaktionsstörungen kann Musiktherapie entscheidend weiterhelfen.

Die klinische Musiktherapeutin Anne Schnell blickt bei den Kunsttherapietagen in Bern auf die ersten vier Jahre Verhaltenssuchtstation der UPK Basel zurück: Ein Grossteil der Süchtigen leide neben den Folgen ihrer Verhaltenssucht (Gamen, Glückspiel, Einkaufen, Internet, exzessiver Sex, Handy) auch an depressiven Symptomen, konsumiert oft auch Substanzen und ist schnell überfordert in sozialen Kontakten oder in Kontakt mit ihren eigenen Gefühlen. Die Musiktherapie bietet den Betroffenen dabei folgende Chancen:

  • Es gibt keine falschen Töne und es sind in der Musik keine Fehler möglich, was gut ist gegen den niedrigen Selbstwert der meisten süchtigen Patient:Innen.
  • Musik ist ein flüchtiges Medium und somit potenziell wenig einschüchternd. 
  • Das Instrument kann als „lieber Freund“ dienen bis der Umgang mit „lebendigen Freunden“ besser funktioniert. 
  • Die Betroffenen dürfen spielen, spielen, spielen und damit ihren Impulsen auf gesunde Weise ein Stück weit nachgehen, wenn sie in die freie Improvisation einsteigen.
  • Es gibt keine Vorurteile und keine Beurteilung, was den oft massiv angeschlagenen Selbstbildern guttut.

Anne Schnell weist auf das Phänomen der Rauschmusik hin, das im Gegensatz zum Flow-Erleben kontaktlos stattfindet und so am Ziel der Musiktherapie vorbeigeht.

Hinweise auf Rauschmusik sind, wenn die Musik

  • immer schneller und lauter wird.
  • kein Ende findet.
  • Trance evoziert.
  • die Traum- oder Parallelwelten unterstütz wird, die z.B. Gamesüchtige der terrestrischen Welt vorziehen.
  • in der Symbiose hält, was das gesunde und erwünschte Selbsterleben als Individuum verhindert.

Zu Gunsten der Begegnung mit dem Menschen hinter der Sucht ist in der Musiktherapie die Rauschmusik untersagt. Das sich in die freie Improvisation „Fallenlassen“ darf jedoch sein und geübt werden. Und gleichzeitig kann fast nebenbei die Übernahme von Verantwortung trainiert werden. 

Musiktherapie bei Gaming- oder Spielsucht gibt Betroffenen die Chance zu erleben, dass SIE die MUSIK SPIELEN und nicht umgekehrt. 

Rahel Roth-Sutter