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Schlagwort: Aarau

Ein Blick durchs Schlüsselloch – Therapy Slam No. 5 an den Lindauer Psychotherapiewochen

Musiktherapie Aarau ist immer mal wieder auf verschiedenen Bühnen unterwegs.
Ein solch besonderer Moment, auf den Diandra Russo gerne zurückblickt, war ihr Beitrag beim Therapy Slam No. 5 auf der grossen Stadtbühne in Lindau – vor rund 500 Zuschauer:innen. Dort gewährte sie einen kleinen, aber intensiven Einblick in ihre musiktherapeutische Arbeit.
(Lustiger Fact: Die halbe Praxis wurde für eine Woche nach Lindau transportiert)

Der diesjährige Slam war in mehrfacher Hinsicht besonders: Zum fünften Mal, aber erstmals als ein direktes Aufeinandertreffen zweier therapeutischer Verfahren – der analytisch-mentalisierungsbasierten und der musiktherapeutischen– fand die Veranstaltung im Rahmen der Lindauer Psychotherapiewochen statt.

Unter der Moderation von PD Dr. med. Joram Ronel, der das Konzept des Therapy Slams vor zehn Jahren entwickelt hat, wurde das Thema „Der Körper als Instrument – über die Behandlung somatoformer Störungen“ interaktiv und praxisnah beleuchtet.
Am Slam beteiligt waren Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser, Diandra Russo in ihrer Rolle als Musiktherapeutin, sowie Judith Gorgass als Schauspielpatientin, die mit starker Präsenz das therapeutische Rollenspiel bereicherte.

Das Format des Therapy Slams ermöglicht es, psychotherapeutische Methoden auf lebendige und zugängliche Weise zu vermitteln und eröffnet Zuschauer:innen einen unmittelbaren Einblick in das therapeutische Geschehen. Es fördert den Austausch zwischen therapeutischen Schulen und lädt zu einem integrativen Dialog ein.

Die Woche in Lindau war geprägt von inspirierenden Diskussionen, methodischer Vielfalt und einem offenen Raum für fachlichen wie persönlichen Austausch. Unterschiedliche therapeutische Haltungen wurden nicht gegeneinandergestellt, sondern in ein konstruktiv beleuchtet.

Die Resonanz auf den Abend war positiv, differenziert und vielschichtig – und der Diskurs geht weiter.

Ein herzliches Dankeschön gilt dem gesamten Team auf und hinter der Bühne, das diesen besonderen Moment möglich gemacht hat. Man darf gespannt sein auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr bei den Lindauer Psychotherapiewochen.

Musik als Unterstützungsmöglichkeit bei Tumorerkrankungen

Wir freuen uns, am 24. Mai einen ersten Workshop in Zusammenarbeit mit dem KSA bzw. dem Onkologiezentrum Mittelland durchführen zu dürfen. 

Der Workshop richtet sich an von Krebs betroffene Menschen, unabhängig davon, wo sie im Behandlungsprozess stehen.

Die Teilnehmenden werden konkreten erleben und darüber austauschen, wie sie Musik dazu nutzen können, um sich selbstfürsorglich zu unterstützen.

Für Interessierte geht es hier zur Anmeldung.

Screenshot

Was macht die Musik in der Musiktherapie eigentlich?

Musik ist in der Therapie ein Beziehungs- und Kommunikationsmittel. Sie ergänzt oder ersetzt die verbale Sprache. Sie kann prä-, post- nonverbal, gleichzeitig und improvisierend eingesetzt werden (Oplatka, 2024).

Die Musik ist in der Musiktherapie somit ein zentrales Mittel, um mit unseren Klient:innen an persönlichen Themen zu arbeiten. Sie kann beispielsweise als Transportmittel das Erleben von innen nach aussen bringen, kann Halt geben, verborgene oder brach liegende Ressourcen aktivieren und die Sinne stimulieren. Zudem kann sie den Therapieprozess beschleunigen oder lenken und ein Bindeglied sein, das beziehungsstiftend und beziehungsgestaltend wirkt.

Weitere Fragen zur Musik in der Musiktherapie werden hier beantwortet.

Musiktherapie Aarau schreibt

Wir beiden klinischen Musiktherapeutinnen von Musiktherapie Aarau haben zusammen mit über 70 Expert:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 101 Standardwerke der Musiktherapie in kurzen Rezensionen zusammengefasst und kommentiert.
Das neue Standardwerk wurde über mehrere Jahre geplant und ist nun endlich erschienen.
Es darf gerne einmal in unseren Belegexemplaren geschmökert werden und das Buch ist nun auch im Buchhandel käuflich zu erwerben.

Für junge Musiktherapeut:innen gehört das Buch in die Sammlung.

Glücklicher und gesünder durch therapeutisches Singen – eine biochemische Wahrheit

Beim gemeinsamen Singen stellen sich messbare physiologische Veränderungen ein. Das tiefe Ein- und Ausatmen aktiviert unser Entspannungssystem. Der Blutdruck sinkt, die Sauerstoffsättigung im Blut nimmt messbar zu, der Hautwiderstand nimmt ab und es werden die im Volksmund bekannten Glücks- und Bindungshormone ausgeschüttet. Oxytozin zum Beispiel wirkt  stresslindernd und steigert das Wohlbefinden. Und die ebenfalls ausgeschütteten Endorphine haben unter anderem eine schmerzlindernde Wirkung. Die klinische Musiktherapie nutzt das „leistungsbefreite“ therapeutische Singen und die beschriebenen Effekte zielgerichtet, um Menschen im Wiedererlangen und/oder Stabilisieren ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens zu unterstützen.

Wenn Sie mehr erfahren wollen, empfehlen wir folgende Sendung auf SRF:

https://www.srf.ch/wissen/gesundheit/singen-macht-gluecklich-und-gesund

R. Roth-Sutter

Das Behandlungsmonochord

Ein Herzstück unserer Praxis

Wahrlich regt der Name des Instrumentes nicht zur Entspannung an. Deshalb nennen wir das Instrument umgangssprachlich auch «Klangbett». Es besteht aus viel Holz, einer Liegefläche und ist an der Unterseite mit 53 Saiten ausgestattet, die monochrom gestimmt sind. Durch das Zusammenspiel dieser Saiten entsteht ein flächiger Klang, der einerseits zum Entspannen anregt und andererseits auf physiologischer Ebene nachweislich wirkt.
Diandra durfte im März dieses Jahres auf die Schwäbische Alb zur Werkstatt von «Naturtonmusik» reisen um dieses Prachtwerk eigenhändig zu bauen. Damit es nicht nur bei der kurzen Geschichte bleibt, hier ein paar Impressionen.

-D.Russo-

Künstlerische Therapien im Rampenlicht der WHO

Musik als Gesundheitsverordnung?

Die Künste im Rampenlicht der WHO

Wer die Welt in dieser Zeit der Pandemie betrachtet, bemerkt schnell, dass die Menschen sich mit voller Wucht in die Kraft der Kreativität stürzen: Musik, Kunst, Tanz, Film, Literatur, Garten – Hauptsache es tut gut. Dass sich die Künste positiv auf die Gesundheit und Prävention auswirken, ist uns allen ein gängiges Konzept, doch nicht passender zu dieser aussergewöhnlichen Zeit hat die World Health Organization (WHO) just Ende letztes Jahr eine besonders wertvolle Übersichtsarbeit veröffentlicht. 

Die Künste wurden von der WHO in ihren breit-wissenschaftlich fundierten Ansätzen recherchiert, zusammengestellt und der Bericht für die Öffentlichkeit zugängig gemacht. Das Kernstück des Berichtes ist die Bibliographie mit 972 Publikationen, welche den Bericht untermalen und die Evidenz unterstützen. Darunter befinden sich 200Übersichtsarbeiten, welche 3000 weitere Studien umfassen. Die WHO bezeichnet dieses Werk als umfangreichste Evidenzuntersuchung im Bereich der Künste und Gesundheit.

Im Bericht werden verschiedenen Kunstformen beleuchtet, dazu gehören:

  1. Darstellende Künste (Musik, aber auch Tanz, Singen, Theater und Film)
  2. Visuelle Künste (Basteln/Handwerken, Design, Malen, Fotografie)
  3. Literatur
  4. Kultur (Besuch von Museen, Galerien, Konzerten, Theatervorführungen)
  5. Online-Künste (Animationen, digitale Künste).

Was aus musiktherapeutischer Perspektive sehr erfreut, ist die dominante Präsenz der Musik im Bericht; nicht nur wird die Musik am häufigsten genannt (zwanzig mal mehr als die anderen Kunstformen), sondern wird auch explizit als fundiert erforscht definiert. Ein gutes Fünftel der Quellen stammt aus musiktherapeutischen Federn, wobei im Bericht nicht genau differenziert wird, bei welchem Einsatz von Musik es sich tatsächlich um einen musiktherapeutischen Kontext handelt. Beim Durchstöbern der Bibliographie fällt auf, dass die Musiktherapieforschung noch mehr zum Bericht beisteuern könnte, denn viele Werke haben es nicht in die Auswahl im Bericht geschafft. Nichtsdestotrotz ist die Reichweite dieser fundierten Arbeit ein Schritt in Richtung Zukunft der Gesundheitspolitik. Die Schlussfolgerungen des Berichtes unterstreichen die Wichtigkeit von erhöhter Unterstützung seitens der Entscheidungsträger im Bereich der internationalen Kooperation, Wissensaustausch und Forschung: «support the development of long-term policies or strategies that will provide more synergized collaboration between health and arts sectors that could realize the potential of the arts for improving global health». 

Im Folgenden finden Sie die Zusammenfassung des Berichtes:

«Welche Erkenntnisse gibt es über die Rolle der Künste bei der Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden? Eine Bestandsaufnahme» (WHO, 2019).

In den vergangenen beiden Jahrzehnten wurde zusätzlich zu den Entwicklungen in Politik und Praxis in verschiedenen Ländern der Europäischen Region der WHO und darüber hinaus in deutlich erhöhtem Maße auch die Wirkung von Kunst auf Gesundheit und Wohlbefinden untersucht. In dem Bericht werden die weltweit vorhandenen Erkenntnisse über die Rolle der Künste bei der Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden zusammengefasst dargestellt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die Europäische Region der WHO gelegt wird. Die Ergebnisse aus über 3000 Studien verdeutlichen eine wesentliche Rolle der Künste bei der Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung sowie beim Management und der Behandlung von Erkrankungen im gesamten Lebensverlauf. Zu der untersuchten Evidenz gehörten Versuchsanordnungen wie unkontrollierte Pilotstudien, Fallstudien, Querschnittsuntersuchungen im Kleinmaßstab, national repräsentative Längsschnitt-Kohortenstudien, gruppenspezifische Ethnographien und randomisierte kontrollierte Studien aus unterschiedlichen Fachdisziplinen. Die positive Wirkung der Künste könnte durch eine Anerkennung und gebührende Berücksichtigung der wachsenden Erkenntnisgrundlage, die Förderung einer Beschäftigung mit Kunst auf individueller, kommunaler und nationaler Ebene und die Unterstützung einerbereichsübergreifenden Kooperation noch weiter verstärkt werden (WHO, 2019).

Diandra Russo